Muster 03 · Definition of Done × Band 6

Done ist ein Zustand beim Sender.
Nutzlast ist einer beim Empfänger.

Die Definition of Done ist die vielleicht vernünftigste Erfindung der agilen Bewegung: eine gemeinsame Antwort auf die Frage, wann etwas fertig ist. Sie hat einen blinden Fleck, und der liegt hinter der Übergabe: Fertig sagt nichts darüber, was ankommt.

Was das Muster verspricht

Vor der Definition of Done war „fertig" Verhandlungssache. Neunzig Prozent fertig, fertig bis auf die Tests, fertig aus meiner Sicht. Die gemeinsame Checkliste beendet dieses Spiel: Code geprüft, Tests grün, dokumentiert, ausgeliefert. Erst wenn alles erfüllt ist, zählt der Eintrag. Das schafft Vergleichbarkeit, schützt vor Selbstbetrug im Kleinen und macht Fortschritt zählbar.

Genau in der Zählbarkeit steckt die stille Verschiebung: Alle Kriterien der Liste beschreiben Zustände beim Sender. Geprüft, getestet, dokumentiert, ausgeliefert sind Eigenschaften der Arbeit. Ob die Arbeit beim Empfänger etwas bewirkt, steht auf keiner Checkliste, weil es sich beim Sender auch gar nicht prüfen lässt.

Woran es bricht

Was gemessen wird, wird optimiert. Ein Team, dessen Fortschritt in Done-Einträgen gezählt wird, wird gut darin, Einträge auf Done zu bringen. Die Velocity steigt, das Burndown-Chart beruhigt, die Reviews laufen glatt. Parallel dazu kann die Wirkung gegen null laufen: Das Feature ist ausgeliefert und wird kaum genutzt, die Dokumentation ist vollständig und beantwortet die falschen Fragen, der Report ist termingerecht und ändert keine einzige Entscheidung.

Die Nutzlast-Quote benennt dieses Verhältnis: Von allem, was produziert und übergeben wird, ist nur ein Teil Nutzlast, also das, was beim Empfänger tatsächlich Arbeit erspart, eine Entscheidung ermöglicht oder ein Verhalten ändert. Der Rest ist Verpackung, Transport und Eigengewicht. Eine Organisation kann ihre Done-Rate jahrelang steigern, während ihre Nutzlast-Quote sinkt, und beide Kurven sehen von innen wie Erfolg aus, weil nur die erste gemessen wird.

Done zählt, was den Sender verlassen hat. Die Nutzlast-Quote wiegt, was beim Empfänger angekommen ist. Zwischen beiden liegt der Unterschied zwischen Abschließen und Liefern.

Der Prüfstein

Die Korrektur verlangt keine neue Zeremonie, sie verlangt eine Blickrichtung. Jeder Done-Eintrag hat einen Empfänger, einen Menschen oder ein System, bei dem die Arbeit etwas verändern soll. Der Prüfstein besteht aus zwei Fragen an den Eintrag: Wer ist der Empfänger, und woran erkennen wir bei ihm, dass die Nutzlast angekommen ist? Beide Antworten gehören vor die Arbeit, als Teil der Anforderung, denn nach der Übergabe formuliert sie niemand mehr ehrlich.

Ein Eintrag, für den sich kein Empfänger benennen lässt, verdient einen Verdacht statt einer Priorität. Und eine Definition of Done, die um genau einen Punkt erweitert wird, nämlich die empfängerseitige Wirkungsprobe, hört auf, ein Sender-Ritual zu sein. Das kostet pro Eintrag eine Minute vor dem Start und erspart die teuerste Sorte Arbeit: die vollständig fertige, die niemand gebraucht hat.

Diagnose-Frage für Ihr Haus

Nehmen Sie die letzten zehn Einträge, die Ihr Team auf Done gestellt hat: Bei wie vielen können Sie den Empfänger benennen und zeigen, was sich bei ihm geändert hat? Jeder Eintrag ohne Antwort war Aktivität, die als Lieferung gezählt wurde.

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